Deutscher Gewerkschaftsbund

17.10.2014

Europa aus erster Hand

Europakongress

DGB Jörg Munder

Vom Kopf auf die Füße: Für ein demokratisches Europa der kleinen Leute statt eines Europas der Konzerne.

So ist seit 2012 eine regionale Veranstaltungsreihe betitelt. Ein breites Bündnis von sozialen Gruppen und Verbänden hat sich im Kreis Böblingen zusammen gefunden, um der Zerstörung Europas nicht länger tatenlos zuzuschauen. In unterschiedlichen Arbeitskreisen und Workshops wird informiert und lokale Handlungsspielräume definiert. So wurden Themen wie die Freihandelsverträge TTIP, Sozialabbau im europäischen Maßstab oder die Notwendigkeit einer Daseinsvorsorge bereits vorausschauend in den letzten zwei Jahren diskutiert. Als Ergebnis entstand die Böblinger Charta, die in einer Selbstverpflichtung lokales Handeln mit europäischem Denken verbindet.

Denn auch Deutschland ist nicht die Insel der Glückseligen. Seit Jahren wurde konsequent daran gearbeitet den sozialen Frieden zu zerstören und die Gesellschaft zu spalten. Lohndumping, Hartz IV, geplünderte Rentenkassen, ein Wohnungsmarkt für Spekulanten lassen für viele Menschen ein sorgenfreies Leben in weite Ferne rücken. Die konsequente Niedriglohnpolitik sorgte dafür, den Wettbewerb in anderen europäischen Ländern auszuschalten. Die Auflösung einer funktionierenden Gesundheitsversorgung durch eine reine Kostendebatte im Kreis Böblingen ist ein lokales Beispiel. Wenn es Europa schlecht geht, kann es Deutschland nicht gut gehen. Der Europakongress wurde deshalb zur Plattform für alle Menschen, die gerecht handeln und leben wollen. Hier bietet sich die Möglichkeit, hinter die Kulissen zu schauen und Handlungsstrategien zu entwerfen.

Die Themen und Beiträge waren in diesem Jahr:

Faire Mobilität

Das Projekt Faire Mobilität hilft gerechte Löhne und faire Arbeitsbedingungen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus den mittel- und osteuropäischen EU-Staaten auf dem deutschen Arbeitsmarkt durchzusetzen. Bedarf gibt es genug: Seit der EU-Freizügigkeitsregelung werden Menschen aus Osteuropa zu unwürdigen und gesetzeswidrigen Bedingungen beschäftigt. Katarina Frankovic, Beraterin bei der Projektstelle Stuttgart, berichtete darüber.

Wie weiter mit Bosnien?

Ein Land in Europa, das nur wenig im Rampenlicht steht und viele Probleme hat: Die schlechte wirtschaftliche Lage und die Korruption in Politik und Verwaltung löste teils gewalttätige Auseinandersetzungen aus. Die Flutkatastrophe im Mai 2014 führte außerdem zu einer verheerenden Situation in dem Nicht-EU-Land. Welche Veränderungen brachten die Wahlen vom 8. Oktober, bei der 73 Parteien antraten? Welche europäische Perspektive hat Bosnien nach der West-Balkankonferenz 2014, die August in Berlin stattgefunden hat? Als Referent zur aktuellen Situation in Bosnien-Herzegowina berichtete Josip Juratovic, Mitglied im Vorstand der AfA Baden-Württemberg, ehemaliges Betriebsratsmitglied bei Audi und Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Heilbronn. Seit 1990 wirkt er aktiv am Aufbau von Gewerkschaften in Südosteuropa mit und seit 1994 fungiert er als Koordinator der IG Metall Friedensinitiative für Ex-Jugoslawien: Novi Most - Neue Brücke.

„Was juckt mich Demokratie?“

Die 1. internationale Jugendkonferenz, die im Juli 2014 in Böblingen stattfand, hatte sich zum Ziel gesetzt, Jugendliche auf eine zeitgerechte Art und Weise zu Mitgestaltern zu machen. Die Teilnehmer konnten ihre Fähigkeiten in den Bereichen Kommunikation, Recherche, Präsentation und Teamarbeit ausbauen und Kenntnisse über die Ursachen und die Wirkung der Jugendarbeitslosigkeit in Europa erlangen und konkrete Lösungsansätze entwickeln. Der Koordinator Isaac Gonzalez erzählte von den Erfahrungen.

Solidarität und neue Formen der Selbstorganisation als Antwort auf die Krise

Wie lebt die Bevölkerung in Griechenland mit den Sparmaßnahmen der Troika? Die Arbeitslosigkeit von Jugendlichen liegt bei über 60%, die allgemeine bei 30%; die Zahl der Unversicherten im Krankheitsfall könnte genauso hoch werden; Reallohnsenkung um 25% in drei Jahren; manche Schüler arbeiten „außerhalb“ der Unterrichtszeit. Wie kommt die Masse der Bevölkerung zurecht? Tsina Panagiotopoulou, Ärztin aus Griechenland vermittelte Einblicke in solidarische Selbsthilfe in Betrieben, im Gesundheitswesen, in der Bildung.

 

Im Heimatland keine Chance - in Deutschland ausgebeutet
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Faire Mobilität – ein Projekt gegen die Ausbeutung von osteuropäischen Beschäftigten in Deutschland: Katarina Frankovic berichtet auf dem Europakongress

Wie weiter mit Bosnien?
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Ein Land in Europa, das nur wenig im Rampenlicht steht und viele Probleme hat: Die schlechte wirtschaftliche Lage und die Korruption in Politik und Verwaltung löste teils gewalttätige Auseinandersetzungen aus. Die Flutkatastrophe im Mai 2014 führte außerdem zu einer verheerenden Situation in dem Nicht-EU-Land. Welche Veränderungen brachten die Wahlen vom 8. Oktober, bei der 73 Parteien antraten? Welche europäische Perspektive hat Bosnien nach der West-Balkankonferenz 2014, die August in Berlin stattgefunden hat? Als Referent zur aktuellen Situation in Bosnien-Herzegowina berichtete Josip Juratovic, Mitglied im Vorstand der AfA Baden-Württemberg, ehemaliges Betriebsratsmitglied bei Audi und Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Heilbronn. Seit 1990 wirkt er aktiv am Aufbau von Gewerkschaften in Südosteuropa mit und seit 1994 fungiert er als Koordinator der IG Metall Friedensinitiative für Ex-Jugoslawien: Novi Most - Neue Brücke.

Solidarität und neue Formen der Selbstorganisation als Antwort auf die Krise in Griechenland
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Wie lebt die Bevölkerung in Griechenland mit den Sparmaßnahmen der Troika? Die Arbeitslosigkeit von Jugendlichen liegt bei über 60%, die allgemeine bei 30%; die Zahl der Unversicherten im Krankheitsfall könnte genauso hoch werden; Reallohnsenkung um 25% in drei Jahren; manche Schüler arbeiten „außerhalb“ der Unterrichtszeit. Wie kommt die Masse der Bevölkerung zurecht? Tsina Panagiotopoulou, Ärztin aus Griechenland vermittelte Einblicke in solidarische Selbsthilfe in Betrieben, im Gesundheitswesen, in der Bildung.

 

Weitere Informationen zum Kongress gibt es auch auf unserer facebook-Seite.

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