Deutscher Gewerkschaftsbund

27.01.2017
Stadtkirche Aalen

Aalen: Lesung und Musik - Texte von Überlebenden des Holocaust

Veranstaltung zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust am 27. Januar 2017

„Es ist geschehen und folglich kann es wieder geschehen: Darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben.“ (Primo Levi)

Am Morgen des 27. Januar 1945 erreichten die ersten sowjetischen Truppen das Vernichtungslager Auschwitz. In den Tagen zuvor hatten die Deutschen den Lagerkomplex evakuiert und etwa 60.000 Häftlinge auf Todesmärsche nach Westen getrieben, von denen mindestens 15.000 Menschen unterwegs ermordet wurden. Etwa 7.500 Gefangene, die zu krank oder zu schwach waren, befanden sich noch im Lager. Ein alliierter Luftangriff in der Nacht zum 19. Januar hatte die SS in die Flucht geschlagen, bevor sie diese Häftlinge töten konnten. Viele dieser entkräfteten Menschen starben trotz aller Bemühungen in den folgenden Tagen und Wochen.

Alleine in Auschwitz wurden mindestens 1,1 Millionen Menschen ermordet, die meisten in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau. Davon waren 960.000 Juden, 74.000 Polen, 21.000 Sinti und Roma sowie 15.000 sowjetische Kriegsgefangene.

Seit 1996 ist der 27. Januar, jener Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz, als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus bundesweit gesetzlich verankert. 2005 wurde dieser Tag auch von den Vereinten Nationen als Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust festgelegt.

Wäre es nach dem Willen der Nazis gegangen, wäre das größte Verbrechen in der Geschichte der Menschheit spurlos vertuscht worden. Einer der Gründe, warum heute Auschwitz zum Synonym für die NS-Barbarei geworden ist und nicht etwa Treblinka, wo ebenso viele Menschen ermordet wurden, ist, dass Treblinka im Herbst 1943 dem Erdboden gleichgemacht worden war. Zuvor mussten Häftlinge auch sie Todeskandidaten unter entsetzlichen Bedingungen die Massengräber ausheben und die menschlichen Überreste verbrennen. Nichts sollte übrigbleiben außer einem unterschiedslosen Haufen Asche – noch die Erinnerung an die Ermordeten sollte getilgt werden. Nur etwa 60 TreblinkaHäftlinge konnten fliehen und haben überlebt die meisten beim Aufstand vom 2. August 1943.

Der Auschwitz-Überlebende Primo Levi bezeichnete daher sich und seine Leidensgenossen als "Geheimnisträger". Deshalb wurden die Häftlinge im Januar 1945 auf mörderische Evakuierungsmärsche gen Buchenwald und Mauthausen getrieben, und das Schicksal der zurückgebliebenen Kranken schien besiegelt. Dann jedoch zwang ein nächtlicher Luftangriff die deutschen Bewacher, wie Primo Levi mit bitterer Ironie schrieb, "ihr Werk unvollendet zu lassen und, ohne ihre Pflicht erfüllt zu haben, die Flucht zu ergreifen".

 

Koffer von Deportierten

DGB Aalen

Primo Levi beschreibt den Alptraum aller Gefangenen:
"Beinahe alle Zurückgekehrten erinnern sich an einen Traum, der sich in den Nächten der Gefangenschaft häufig einstellte, unterschiedlich in den Einzelheiten, aber im wesentlichen immer gleichbleibend: sie seien nach Hause zurückgekehrt, erzählten mit Leidenschaft und Erleichterung einer ihnen nahestehenden Person von den vergangenen Leiden und sähen, dass ihnen nicht geglaubt, ja nicht einmal zugehört würde. In der typischsten (und grausamsten) Version wandte sich der Angesprochene ab und ging schweigend weg."

Zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust
27. Januar 2017, 19:00 Uhr
Stadtkirche Aalen
Texte von Überlebenden des Holocaust

Eintritt frei
Künstlerische Gestaltung: Mirjam Birkl, Theater der Stadt Aalen
Christian Bolz, Klarinette und Gitarre
Tobias Knecht, Gitarre
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