Deutscher Gewerkschaftsbund

27.01.2018
Veranstaltung zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust

Aalen: Mitten unter uns… Lesung aus Akten des Ostalbkreises

Mit Anmerkungen Hannah Arendts und Musik verfolgter Komponisten

„Während das deutsche Volk nicht über alle Verbrechen der Nazis informiert und sogar vorsätzlich über deren genaue Art in Unwissenheit gehalten wurde, hatten die Nazis doch dafür gesorgt, dass jeder Deutsche von irgendeiner schrecklichen Geschichte wusste. Er brauchte also gar nicht alle in seinem Namen verübten Untaten genau zu kennen, um zu begreifen, dass er zum Komplizen eines unsäglichen Verbrechens gemacht worden war.“ (Hannah Ahrendt)

 

In den Morgenstunden des 27. Januar 1945 erreichten die ersten sowjetischen Truppen das Vernichtungslager Auschwitz. Alleine in Auschwitz wurden mindestens 1,1 Millionen Menschen ermordet, die meisten in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau. Seit 1996 ist der 27. Januar als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus in Deutschland gesetzlich verankert. 2005 wurde dieser Jahrestag auch von den Vereinten Nationen zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust erklärt.

Wie schon im Vorjahr wird auch am 27. Januar 2018 eine Veranstaltung zu diesem Gedenktag in der Aalener Stadtkirche stattfinden.

Dabei wird es diesmal um die Verbrechen und die totalitäre Lebenswirklichkeit des Nationalsozialismus vor Ort gehen. Das Naziregime war kein künstlich „von oben“ verordnetes System, es durchdrang das Leben auch in der Provinz. Es ließ kaum Raum für „Enklaven der Anständigkeit“. Es gab Konzentrationslager in Ellwangen und Wasseralfingen, es gab die Ermordung von mindestens 260 Juden im Ostalbkreis, Krankenmorde in noch völlig ungewissem Umfang, es gab Zwangsarbeit, politische Verfolgung, Zwangssterilisationen, es gab Endphasenverbrechen wie die Ermordung zweier Regimegegner in Schwäbisch Gmünd nur Stunden vor dem Einmarsch der Amerikaner, es gab die Exekutionen am Braunenberg und die Massengräber des Hessenthaler Todesmarschs, der durch unseren Landkreis führte. Es gab allerorten Alltagserfahrungen von Brutalität und Fanatismus, und es gab Täter, Helfer und Profiteure.

Die Auseinandersetzung mit diesem Teil der deutschen Geschichte ist bis heute, 72 Jahre nach Kriegsende, schwierig und schmerzhaft geblieben. „Der Durchschnittsdeutsche sucht die Ursachen des letzten Krieges nicht in den Taten des Naziregimes, sondern in den Ereignissen, die zur Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies geführt haben“, merkte die Philosophin Hannah Arendt anlässlich ihres Besuches in Deutschland im Jahr 1950 an. Schweigen und Verdrängen war lange Zeit die vorherrschende Haltung.

In Aalen gelingt es erst heute, ein Menschenalter nach dem Ende des Nationalsozialismus, der Namen bislang unbekannter Opfer in Form von Stolpersteinen zu gedenken.

Erneut wird die Schauspielerin Mirjam Birkl vom Theater der Stadt Aalen, unterstützt von mehreren Laiensprechern, Texte vortragen. Als musikalische Umrahmung wird ein Streicherensemble unter der Leitung von Alexander Rube Werke verfolgter Komponisten spielen.

DGB

Rüdiger Walter

27. Januar 2018

 

18:30 Uhr

 

Stadtkirche Aalen, Alter Kirchplatz 1, 73430 Aalen

 

Eintritt frei

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