Deutscher Gewerkschaftsbund

15.11.2020
Heilbronn

Gewerkschaftshaus Heilbronn wurde vor genau 70 Jahren seiner Bestimmung übergeben

Ein Zeugnis lebendiger Stadt- und Gewerkschaftsgeschichte feiert seinen runden Geburtstag

Gewerkschaftshaus Heilbronn

Gewerkschaftshaus Heilbronn DGB/Silke Ortwein

Ein Zeugnis lebendiger Stadt- und Gewerkschaftsgeschichte feiert seinen runden Geburtstag

Nachdem durch die Besetzung des Volkshauses am 2. Mai 1933 und schließlich mit der Zerstörung am 4. Dezember 1944 das alte Gewerkschaftshaus Geschichte war, begannen die wieder erstarkenden Gewerkschaften unter dem damals neuen Dach des DGB am 19.09.1949 mit dem Bau eines neuen Gewerkschaftshauses. Der DGB hatte dazu nach dem Krieg neben ihrer eigenen auch eine städtische Parzelle erworben und darauf das heutige Gewerkschaftshaus in der damals hochmodernen Stahlskelettbauweise errichtet.

Das Gewerkschaftshaus – auch ein Ort der Kultur und der Geselligkeit

Der Bau wurde bereits am 15.11. 1950 nach nur 14 Monaten Bauzeit fertiggestellt und das Gebäude bei der Schlüsselübergabe feierlich am 24.11.1950 von den Gewerkschaften übernommen.  Bereits ein Jahr nach der Fertigstellung taten die Gewerkschaften einen großen Schritt und verzichteten auf die Nutzung ihres Saales zugunsten des Heilbronner Theaters, welches nach dem Krieg keine geeignete Spielstätte mehr hatte: Und so haben in den Jahren  1951–1982 haben nicht nur Gewerkschaftsmitglieder, sondern viele Heilbronner Bürger das Haus besucht, denn in dieser Zeit diente das Gewerkschaftshaus als Spielstätte des Heilbronner Theaters.  Ein einziges Mal, anlässlich eines Frauentags in den 80er Jahren wurde der große Saal im Gewerkschaftshaus in dieser Zeit von den Gewerkschaften genutzt. Die Gaststätte, betrieben von Familie Hoch (diese hat später die Wartberggaststätte übernommen) sorgte ebenfalls für zahlreiche Besucher im Haus. Doch es gab bei Erstbezug des Gebäudes bereits noch ein weiteres gastronomisches Angebot im Haus: Die „Schwemme“- die kleine  „Gewerkschafts-Kneipe“ im Keller des Gewerkschaftshauses als Treffpunkt und Ort zahlreicher hitziger politischer Debatten. Auch diese ist lange schon Geschichte. 

Auch wenn das Theater nach Bezug des neuen Theaters am Berliner Platz nicht mehr im Gewerkschaftshaus zu Gast ist, Kultur ist bis heute im Gewerkschaftshaus zuhause. Der Kulturkeller, eine kleine aber feine Spielstätte für zahlreiche kulturelle Highlights, belebt bis heute das Gewerkschaftshaus. Lange Jahre war auch die Volksbühne hier beheimatet: Das Markenzeichen der Volksbühne war es, Kultur auch weniger wohlhabenden Menschen zugänglich zu machen. So ließ die Heilbronner Volksbühne die zutiefst gewerkschaftliche Forderungen nach „Kultur für alle“ Realität werden.

Um das Jugendheim im Hof des Gewerkschaftshauses wurden die Heilbronner Gewerkschaften sehr beneidet: Wo sonst hatte die Jugend eigene Räume? Hart wurde gerungen, viel Eigenleistung eingebracht und schließlich im Jahr 1958 das Gebäude eröffnet. Es wird heute von Verdi genutzt und stand zuletzt fast 4 Jahre als Schulraum für die Integrationskurse der VHS zur Verfügung.

Ein markantes Ereignis war der Auszug der IG Metall in ihr Haus nach Neckarsulm nach der Zusammenlegung der IG Metall Geschäftsstellen in Heilbronn und Neckarsulm im Jahr 1972.

Nichts ist beständiger als der Wechsel: Im Jahr 2002 wurde das Haus umgebaut. Bei der grundlegenden Renovierung wurde auch der Saal ins 1. OG verlegt und darunter Büros eingerichtet um dem steigenden Platzbedarf Rechnung zu tragen. Die Eröffnung des umgebauten Hauses wurde mit einem Tag der offenen Tür begangen.

Am 2. Mai 2013 wurde mit der Anbringung einer Gedenktafel am heutigen Gewerkschaftshaus dem 80. Jahrestag der Zerschlagung der Gewerkschaften und damit der gewaltsamen Übernahme des damaligen Volkshauses durch die Nazis erinnert und der von der Verfolgung des Naziregimes betroffenen Gewerkschafter*innen gedacht.

Heute nutzen die Räumlichkeiten der DGB und der DGB Rechtschutz, die NGG, die IG BAU, die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, der Kulturkeller e.V., der Verein Frauen helfen Frauen, die Arbeitsrechtskanzlei Städele, der Genealogenverein und viele NGOs und kleinere Gruppierungen, welche Räume im Haus temporär anmieten.

Das Gewerkschaftshaus dient als „Herz der Gewerkschaften“ im Heilbronner Raum  bis heute den Gewerkschaften als Arbeitsort für die Hauptamtlichen Mitarbeiter, als Ort für zahlreiche Veranstaltungen, Sitzungen und kulturelle Events. Ob als Ort der Kundgebungen und Maifeiern am 1. Mai oder die Kulturveranstaltung des DGB am 8. März: Das Haus ist offen für seine Mitglieder und Menschen die es werden wollen und bildet bis heute ein Stück gewerkschaftliche Identität in Heilbronn.

Zur Vorgeschichte

Die zuvor an diesem Ort stehenden Gebäude  waren in den Jahren 1986 und 1987 von Otto Weber (Inhaber des Otto Weber Verlages) erbaut worden. Gebäude in Neo-Renaissance bzw. Neo-Barock-Manier, mit Mansardendach und Skulpturenschmuck.

Ende der 1920er Jahre wurde der Deutsche Metallarbeiter-Verband zunächst Mieter, spätestens seit 1931 Eigentümer des Hauses Gartenstraße 62. Ebenfalls seit (spätestens) 1931 gehört das Haus Gartenstraße 64 der Stadt Heilbronn, die dort die Gewerbeschule unterbrachte (Handelsschule und Höhere Handelsschule). Die beiden Häuser wurden im Krieg zerstört.

Das im Jahr 2012 an das  Archiv der Stadt übergebene Bautagebuch des Gewerkschaftshauses listet detailliert die Bauschritte auf, bebildert mit Fotos der unterschiedlichen Bauabschnitte. 

Soweit die kurz zusammengefassten Fakten. Mehr könnte über das Stadtarchiv durch Einblick in die Akten ermittelt werden...

Detaillierte Quellenangaben für die genannten Fakten

Stadtarchiv Heilbronn, ZS-4817 Gewerkschaftshaus Heilbronn; DGB-Haus:
1949, Oktober: Baubeginn an Stelle des ehemaligen Metallarbeiter-Gewerkschaftshauses (Gartenstraße 62) und der zerstörten Gewerbeschule (Gartenstraße 64). Architekt: Regierungsbaumeister Karl Ellsässer.
1950 Einzug und Eröffnung der Gaststätte (Pächter: Metzgermeister Max Frank und Ehefrau Hedwig Frank geb. Schweizerhof).
1952: Pächter Ernst Kramer.
1951 beginnt das Kleine Theater Heilbronn mit dem Vorstellungsbetrieb im Saal des Gewerkschaftshauses. Dieser ist bis zur Eröffnung des Neubaus am Berliner Platz 1982 Spielstätte fürs Heilbronner Theater.
1958 wird im Dezember das Jugendheim im Hof des Gewerkschaftshauses eröffnet.
2002 Umbau und Renovierung

Stadtarchiv Heilbronn ZS-1599 Gewerbeschule Heilbronn
Ursprünglich Bismarckstraße 10, ab ca. 1930 Gartenstraße 64

Stadtarchiv Heilbronn A034-1875 Bauakte Gartenstraße 62 u. 64
Erbaut 1896. Die Nr. 62 gehörte vor der Übernahme durch die Deutsche Arbeitsfront 1933 dem Deutschen Metallarbeiter-Verband und war das zweite Gewerkschaftshaus neben dem "Volkshaus" Weinsberger Straße 1. In Nr. 64 war ab ca. 1940 u.a. der Luftschutzsanitätsdienst des SHD untergebracht (A042-2082).

Stadtarchiv Heilbronn L005-P 13, Adressbuch 1925
Gartenstraße 62: Eigentümerin Eugenie Weber, Rentnerin
Gartenstraße 64: Eigentümer Otto Weber, Verlagsdruckerei

Adressbuch 1929
Gartenstr. 62: Eigentümer Alexander Schlicke & Co. | Mieter im Erdgeschoss Deutscher Metallarbeiterverband und Eugenie Weber, Rentnerin
Gartenstr. 64: Eigentümer Otto Weber & Co. Verlag, GmbH

Adressbuch 1931
Gartenstr. 62: Eigentümer Deutscher Metallarbeiterverband; Mieterin u.a. Eugenie Weber, Rentnerin
Gartenstr. 64: Stadtgemeinde Heilbronn (Städtische Handelsschule und Höhere Handelsschule)

Adressbuch 1934
Gartenstr. 62: Eigentümer Deutscher Metallarbeiterverband; Mieterin u.a. Eugenie Weber, Rentnerin
Gartenstr. 64: Stadt Heilbronn (Gewerbeschule)

Adressbuch 1938
Gartenstr. 62: Eigentümer Deutsche Arbeitsfront
Gartenstr. 64: Eigentümerin Stadt Heilbronn (Gewerbeschule)


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