Deutscher Gewerkschaftsbund

09.12.2015

Duale Ausbildung in Baden-Württemberg dient als Vorbild

Besuch aus Rumänien an der Johann-Jakob-Widmann-Schule

Besuch aus Rumänien an der Johann-Jakob-Widmann-Schule

DGB Region Nordwürttemberg

Vergangenen Mittwoch konnten Lehrer, Stadtratsmitglieder und Vertreter von Betrieben aus Rumänien das duale Ausbildungssystem in Baden-Württemberg kennen lernen. In der Johann-Jakob-Widmann-Schule (JJWS) begrüßte Schulleiter Michael Schatz neun Vertreter aus der Stadt Oradea im Nordwesten Rumäniens, um ihnen die Vielfalt der beruflichen Ausbildungsmöglichkeiten in Baden-Württemberg und insbesondere die duale Ausbildung vorzustellen. Begleitet wurde die Delegation von zwei Regionssekretärinnen des Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) der Region Nord-Württemberg.

Die Idee zu diesem Besuch ist aus der seit 2004 bestehenden Zusammenarbeit zwischen dem DGB der Region Nord-Württemberg und der Gewerkschaft der Region Bihor auf der rumänischen Seite entstanden. Ziel der seit 2008 regelmäßig stattfindenden Austausche ist u.a. das Kennenlernen von Lebens- und Arbeitsbedingungen, zu dem auch der Besuch in der Johann-Jakob-Widmann-Schule zählt.

Bei diesem Austausch geht es konkret darum, das duale Ausbildungssystem in Baden-Württemberg kennen zu lernen, um ein vergleichbares System in Oradea aufzubauen.“ so Silke Ortwein, DGB- Regionssekretärin für den Stadt- und Landkreis Heilbronn. „Der Bürgermeister der Stadt Oradea hat das Ziel, die technischen Schulen im europäischen Vergleich zu stärken – was eine Umstellung des jetzigen Systems hin zur dualen Ausbildung bedeutet.“

Schulleiter Michael Schatz betonte, dass jeder Schüler unabhängig von seinen Voraussetzungen oder bisherigen schulischen Erfolgen an der JJWS die Chance auf einen beruflichen Abschluss hat. Bei seinem Überblick über das Schulsystem in Baden-Württemberg stellte er besonders die Durchlässigkeit des Systems heraus: So hat ein Schüler ohne Hauptschulabschluss die Chance, nach Durchlaufen verschiedener Schularten an einer beruflichen Schule sowohl einen mittleren Bildungsabschluss als auch eine Berufsausbildung zu machen oder auch noch weiter die Fachhochschulreife zu erlangen und zu studieren. Die derzeit rund 1440 Schüler werden an der JJWS in 17 unterschiedlichen Schularten auf einen beruflichen und/oder schulischen Abschluss vorbereitet. Großen Anteil hat dabei die duale Ausbildung, die rund die Hälfte der Schüler in den Fachbereichen Bautechnik, Farbtechnik, Drucktechnik, Holztechnik und Körperpflege durchläuft.

Voraussetzung für eine duale Ausbildung ist vor allen Dingen ein Ausbildungsvertrag, um den sich jeder Schüler vor Beginn der Ausbildung selbst kümmern muss.“ so der Schulleiter. Interessiert notierten sich die Gäste aus Rumänien die Inhalte des Vertrags: neben der Beschreibung der Tätigkeit werden u.a. die tägliche Arbeitszeit, der Urlaubsanspruch und die Vergütung geregelt.

Anders als in Baden-Württemberg liegt der Schwerpunkt der beruflichen Ausbildung der rund 2600 Schüler der drei beim Austausch vertretenen technischen Schulen Brancusi, Saguna und Traian Vuia von Oradea in der theoretischen Ausbildung. Am ehesten vergleichbar mit der Ausbildung im Berufskolleg: allein durch Praktika erfahren die Schüler den Bezug zur Praxis. Dass in Baden-Württemberg beide duale Partner an der beruflichen Ausbildung der Schüler beteiligt sind und in regem Austausch miteinander stehen, erstaunte die Delegation aus Rumänien daher sehr. Besonders freute es die Teilnehmer zu hören, dass durch den geplanten Besuch bei der Firma AUDI in Neckarsulm auch die betriebliche Seite der Ausbildung in Augenschein genommen werden kann.

Voraussetzung für eine optimale Ausbildung ist auch eine technische Ausstattung, die im europäischen Vergleich standhalten kann. Beim Rundgang durch die berufliche Schule wurden daher Werkstätten und EDV-Räume interessiert besichtigt. An der JJWS wird Wert auf eine aktuelle Ausstattung gelegt: So stieß der erst neu eingerichtete Friseursalon im 4. Stock der gewerblichen Schule auf Begeisterung bei den Gästen aus Rumänien. Auch die technischen Geräte in den „normalen“ Unterrichtsräumen zeigen, dass die Johann-Jakob-Widmann-Schule alle Möglichkeiten für einen modernen Unterricht bietet: alle Räume sind mit Dokumentenkameras und Beamern ausgestattet.

Neben den vielen Informationen zum dualen System und der Klärung von Rahmenbedingungen, die bei einer Umstellung der beruflichen Ausbildung in Rumänien bedacht werden müssen, konnten die Teilnehmer des Austausches die im Schulhaus herrschende Ruhe und den respektvollen Umgang der am Schulleben Beteiligten trotz der hohen Schülerzahlen im gewerblichen Schulzentrum wahrnehmen. „Wir praktizieren ein wertschätzendes und vertrauensvolles Miteinander.“ zitierte Michael Schatz das Leitbild der Schule – und das wird von außen auch so wahrgenommen.

 


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